Skills-Lab

Das Skills-Lab am Heinrich-Braun-Klinikum
Im Jahr 2023 wurde das Skills-Lab am HBK offiziell eröffnet. Der Hintergrund lag insbesondere in der Schaffung eines dritten Lernortes im Bereich der generalistischen Pflegeausbildung. Hier haben Auszubildende die Möglichkeit, in einem geschützten Rahmen Fehler machen zu dürfen, daraus zu lernen und ihre Handlungskompetenz am Patienten/Klienten/Bewohner zu verbessern. In der Zwischenzeit haben sich die Einsatzmöglichkeiten und Zielgruppen erweitert. Zudem bieten wir neben den physischen Simulationen auch die Möglichkeit in der virtuellen Realität (VR) an.
- „Skill“ = Können, Geschick oder Fertigkeit sowie
- „Lab“ = Labor oder Untersuchungsraum
- "Skills-Lab" = Trainingsraum zum Erlernen, Festigen und Weiterentwickeln praktischer Fertigkeiten
- Erlernen, Festigen und Weiterentwicklen beruflicher Fertigkeiten
- Förderung des Theorie-Praxis-Transfers
- Verknüpfung von theoretischem Wissen mit praktischem Handeln
- Geschützter Lernraum
- Fehler machen erlaubt
- Lernen ohne Risiko für reale Adressaten (z.B. Pflegebedürftige)
- Vernetzung von neuem Wissen mit vorhandenem Wissen und Können
- Am Ende des Lernprozesses ein konkretes, kompetentes Verhalten aufzeigen können
- realitätsnahe Szenarien
- inhaltlich praxisorientiert
- Lernumgebung möglichst authentisch an das Berufsfeld angepasst
- Rückmeldungen durch:
- aktive Teilnehmende im Szenario
- Mitlernende
- Lehrende
- Ziel:
- selbstständige und eigenverantwortliche Vertiefung von Wissen und Fähigkeiten
- Professionelles berufliches Handeln fördern
- Kernidee:
- praxisnahes, sicheres Lernen durch realitätsgetreue Übungssituationen mit gezieltem Feedback
Stationäre Akutpflege
Ambulante/stationäre Langzeitpflege
realitätsnahe Ausstattung, z.B.:
- Krankenhausbett
- Pflege- und Verbandswagen
- Pflegebett aus dem Pflegeheim
- Wohnliches Umfeld mit Sitzecke & typischen Accessoires
- Ziel: schnelle und authentische Einfühlung in berufliche Situationen
- High-Fidelity-Simulator ("Nursing Anne")
- High-Fidelity = sehr hoher Grad an Realitätsnähe
- deutlich umfangreicher als eine klassische Pflegepuppe
- technische Funktionen u.a.:
- Darstellung Vitalzeichen
- Hebung und Senkung des Brustkorbs (Atmung)
- Blutdruckmessung
- Puls an allen bekannten Taststellen
- Lidschlag
- Parameter individuell einstellbar - auch während des Trainings veränderbar
- erweiterte Trainingsmöglichkeiten
- Simulation verschiedener Wunden
- Darstellung von Blut, Urin u.a. Flüssigkeiten
- realistische Zu- und Ableitungen
- Integriertes Mirkofon & Lautsprecher
- Kommunikation über Headset der Lehrenden
- anpassung an jeweiligen Fallsituationen
- Simulationsräume mit Kameres und Mikrofonen
- relevant für Ablauf und Auswertung der Simulationsmethoden
- Lage: 1. OG, barrierefrei per Fahrstuhl erreichbar
- Investitionskosten über 100.000€
- Mitfinanzierung durch Steuermittel auf Grundlage des Haushaltsbeschlusses des Sächsischen Landtags
- laufende Kosten (z.B. Verbrauchsmittel, Personal) trägt die Organisation
- Besonderheit:
- hochmoderne, realitätsnahe Lernumgebung mit umfangreicher technischer Ausstattung zur professionellen Simulation pflegerischer Handlungssituationen
Lernen im Skills-Lab
Das Skills-Lab fördert methodische, fachliche, soziale, kommunikative und personale Kompetenzen. Es verknüpft Theorie und Praxis, indem neues Wissen gezielt in die Arbeitswelt übertragen wird und so die Handlungsfähigkeit der Lernenden stärkt. Dabei ergänzt das Skills-Lab das reale Lernen in der Praxis – es ist kein Ersatz, sondern eine unterstützende Lernform.
Zentral ist die positive Fehlerkultur: Lernende trainieren unter realitätsnahen Bedingungen, dürfen Fehler machen und sich individuell weiterentwickeln – ohne dass Adressaten (z. B. Klienten, Patienten, Bewohner) Schaden nehmen. Dies ist im Praxisalltag nicht möglich.
Die Vorteile:
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Mehr Sicherheit für Adressaten, da Routine und Erfahrung wachsen
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Steigende Handlungskompetenz und damit höhere Qualität (z. B. in der Patientenversorgung, Anleitung von Auszubildenden, Gesprächsführung)
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Reproduzierbarkeit von Situationen, wodurch Lernprozesse effizienter werden
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Messbarkeit von Lernergebnissen durch wiederholbare, standardisierte Bedingungen
→ Das Skills-Lab schafft einen geschützten, realitätsnahen Lernraum, der Kompetenz, Qualität und Sicherheit nachhaltig stärkt.
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Grundlage für ein Simulationstraining sind
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theoretisches Wissen, das den Lernenden im Vorfeld vermittelt werden muss, und
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das Beherrschen von Einzelhandlungen (Skills).
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Beides muss vorhanden sein, damit die Simulation ihre Ziele erfolgreich erreichen kann.
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Festlegung und Definition von:
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Rahmenbedingungen
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Ablauf
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Inhalte
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Lernziele
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Vorbereitung auf das Simulationstraining
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Wiederholung des theoretischen Wissens
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Wiederholung der benötigten Skills und Handlungsabläufe
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Schwerpunkt beim Briefing:
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Ablauf des Szenarios
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Durchführung des Debriefings
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Kennenlernen der Räumlichkeiten
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Kennenlernen von Arbeitsmaterialien
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Kennenlernen des Simulators und seiner Funktionsweisen
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Ziel:
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Vertrautheit mit der Lernumgebung schaffen
Spannungen zwischen Simulation und Realität zu reduzieren -
mögliche Vorbehalte abzubauen
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Vermittlung der Verhaltensregeln („Golden Rules“) im Skills-Lab (siehe Anhang), z. B.:
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Verschwiegenheitspflicht gegenüber Dritten
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Umgang mit aufgezeichneten Filmen
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konstruktives Feedback geben
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Abschluss: Fun Szenario (kurze Simulationserfahrung)
- Trainingsablauf kennenlernen
- Kommunikation mit dem Simulator erleben
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Debriefing erleben (sich selbst sehen und hören)
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Ziel: Aufbau einer sicheren Lernatmosphäre und psychologischer Sicherheit
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Durchführung der Simulation, per Kamera aufgezeichnet und übertragen
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Inhalte:
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Fallbeschreibung lesen
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Simulation durchführen
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Simulation beenden
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Handeln am Simulator oder mit Simulationspersonen
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Szenario = didaktisch geplante Lernsituation, angepasst an die Lernziele der Teilnehmenden
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Nachstellung realitätsnaher Fall und Bearbeitung durchLernende
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einfache bis sehr komplexe Situationen möglich
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Im Szenario interagieren die Teilnehmenden:
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mit dem Adressaten (z. B. Simulator, Simulationsperson)
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ggf. mit anderen Lernenden
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Dauer: max. 15–20 Minuten
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Begleitung durch zwei Lehrende
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Beobachtung
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Steuerung
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Mitgestaltung
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Live-Schaltung in (Debriefing-)Raum zu anderen Lernenden mit Beobachtungsauftrag
4) Debriefing (Nachbesprechung)
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Im Anschluss erfolgt das Debriefing = Nachbesprechung.
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didaktischer Höhepunkt, da strukturierte und kritische Reflexion des Szenarios das wichtigste Element des Lernprozesses ist.
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Debriefing ist nicht nur einseitiges Feedback, sondern umfasst:
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Diskussion
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Analyse der gemachten Erfahrungen
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Aufgabe der Lehrenden:
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im Szenario Handlungen erkennen, die besonders lernrelevant sind
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z. B. kritische/schwierige Situationen oder besonders gut gelöste Momente
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Im Debriefing reflektieren die Lernenden gemeinsam mit den Lehrenden (und ggf. weiteren Teilnehmenden):
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ihr Handeln
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mögliche Alternativen
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Auswirkungen ihrer Entscheidungen
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was besonders erfolgreich bzw. weniger erfolgreich war
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Dafür wird das aufgezeichnete Szenario punktuell abgespielt.
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Dauer des Debriefings: 45–60 Minuten
- es finden auch in Fort- und Weiterbildung Simulationstrainings statt u. a.:
- Weiterbildung Praxisanleitung,
- Weiterbildung für Leitungsaufgaben
- „Tag des offenen Skills-Lab“
- zusätzlich wurden bereits Informationsveranstaltungen angeboten
- in Planung:
- Trainings mit Ärzten (z. B. Gesprächsführung)
- Ausbau der VR-Simulation für Aus-, Fort- und Weiterbildung, aktuell ein großes Projekt in der ärztlichen Fortbildung
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Skills-Lab und VR-Simulation werden auch zur Berufsorientierung genutzt und stoßen auf große Begeisterung.

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Erweiterung der physischen Simulationen durch Virtuelle Realität (VR).
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Lernende nutzen VR-Brille mit Immersionseffekt (Gefühl räumlicher Verlagerung), 360°-Wahrnehmung und Controllern zur Aktionsauslösung.
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Entwicklung eines Skripts/Drehbuchs.
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Anlage eines Interaktionsbaums (mindmapähnliche Struktur) in einer Software:
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Festlegung, was bei welcher Aktion geschieht oder sichtbar wird.
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Erstellung von 360°-Ton- und Bildmaterial mit Kamera und Equipment.
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Zuordnung des Materials zum Interaktionsbaum.
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Produktionsdauer je nach Umfang: 2–3 Tage.
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Einmal erstellt: beliebig oft nutzbar, orts- und zeitunabhängig, materialschonender als physische Simulationen.
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Fieber
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Vitalzeichenerhebung
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Thrombose
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Sturz
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Bett machen
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Schmerz
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Rundgang (Berufsorientierung)
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Abbildung seltener Situationen (z. B. epileptischer Anfall).
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Gefahrloses Üben (virtuell und physisch):
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Fehler ohne Patientenschaden
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positive Fehlerkultur mit Reflexion und Besprechung
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Förderung von:
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Theorie-Praxis-Transfer
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Handlungskompetenz
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Patientensicherheit
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Hohe Motivation, Lernfreude und praxisnahe Anwendung theoretischer Inhalte.
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Einsatz in der Berufsorientierung.
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Überführung nahezu jedes Themas in eine Lernsituation möglich.
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Entwicklung weiterer Inhalte, auch für wiederkehrende Fortbildungsthemen.
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Einladung zum Ausprobieren, Einbringen von Themenideen oder Mitwirkung bei der Erstellung.

Julia Glöckner
Leitung Bildungszentrum, Gesundheits- und Pflegepädagogin M.A.
Telefon: 0375 51-552207
E-Mail: julia.gloeckner@hbk-zwickau.de